Werner Jost ZeitungsfotoWerner Jost feierte am 9. August 2013 seinen 100. Geburtstag in Tengen am Bodensee. Zwei Jahre später am 6.9.2015 verstarb er mit 103 Jahren er hatte mit seiner Frau 3 Töchter. Leider hatten wir kaum Kontakt, das letzte Mal war 2010, ich rief an um den Tod meines Vater mitzuteilen.

Ich kann mich erinnern, als Kind ( 5-6) sind wir, meine Eltern und Bruder mit dem Auto an den Bodensee gefahren, dort waren wir auch auf der Insel Mainau. Danach sind wir rüber in die Schweiz gefahren, bei der Rückfahrt wollten die Schweizer Zollbeamten mich aber nicht mehr rauslassen weil ich keinen Kinder-Ausweis besaß. Damals war Vorsicht wegen Kindesentführung geboten, kurz vorher fand man die Leiche eines missbrauchten Jungen.

Mein Vater gratulierte seinem Bruder noch zum 95. Geburtstag, das war glaube ich das letzte Mal. Papa musste ins Seniorenheim, ich konnte ihm nicht mehr helfen, bin selbst behindert und hatte zu dem Zeitpunkt einen Burnout.
Am 18. Juni 2010 um 18:51 Uhr schlief er ein. Vorher hatte er noch Besuch von meinem Cousin und Vetter Dieter, der verabschiedete sich als das Abendessen gebracht wurde. Als die Pfleger das Geschirr wider abholen wollten, lag mein Vater auf dem Bett und der Fernseher lief....und er schlief...


Hier der Bericht aus dem Singender Wochenblatt 07.08 2013 Ausgabe Ober Hegau

Das Jahrhundert überdauert Werner Jost aus Tengen wird im August 100 Jahre alt
Hegauer Wochenblatt 07.08.2013 Tengen (lkr). Industrialisierung, zwei Weltkriege, Demokratie, Wirtschaftswunder, Kalter Krieg, Menschen auf dem Mond und digitale Revolution: Das 20. Jahrhundert war vor allem durch seine Neuordnungen und Grenzüberschreitungen geprägt. Ein Tengener hat sie alle über- und miterlebt: Werner Jost wird am 9. August 100 Jahre alt.
Mit wachem Blick und verschmitztem Lächeln sitzt der Rentner im Arbeitszimmer seiner Wohnung in Tengen. Von seinem Leben will er erzählen. Seine Frau Hildegard, mit der Jost seit 1939 verheiratet ist, zieht sich mit »Ich lasse Sie al- lein mit meinem Hundertjährigen« strahlend zurück. In den 50er Jahren kam die Familie Jost an Bodensee und Randen. Hier betreute das Familienoberhaupt zwölf Filialen von »Kaiser’s Kaffee Geschäft« als Revisor. Doch bis dahin war es ein schwieriger Weg. Die ersten vierzig Jahre von Josts Leben waren durch viele Umbrüche geprägt.

Geboren wurde er 1913 auf dem Hof seiner Eltern im Kreis Hohensalza heute das Gebiet um die westpolnische Stadt Inowroclaw, damals ein Teil der preußischen Provinz Posen. Josts Eltern waren deutschstämmige Landwirte. Sie bewirtschafteten 19 Hektar Fläche: Äcker, Hühner-, Schweine-, Kühe- und Pferdeställe sowie Gemüse- und Blumenbeete. »Ich hatte eine sehr schöne und abwechslungsreiche Kindheit. Auf einem Bauernhof gibt es viele Spielmöglichkeiten«, sagt Jost, der mit elf Geschwistern aufwuchs. Aus finanziellen Gründen besuchte er nur bist zum Alter von 14 Jahren die Volksschule. Danach schloss er eine Lehre zum Kaufmann ab. Im Lehrgeschäft und der Berufsschule lernte Jost polnisch. 1937 wurde er gar in die polnische Armee eingezogen. Er war polnischer Staatsbürger deutscher Nationalität. »Dort habe ich den ehemaligen Papst Johannes Paul II. als Fuß- balltorwart erlebt«, berichtet Jost. Die folgenden Jahre waren geprägt durch die Spannungen zwischen Polen und Deutschland unter Adolf Hitlers Führung.
Mit dem Überfall auf Polen im September 1939 wurde der Zweite Weltkrieg ausgelöst. Dies hatte auch für die in Polen lebenden Deutschen Konsequenzen. Werner Jost wurde von der polnischen Polizei, streckenweise zu Fuß, in Richtung Warschau getrieben. Während der deutschen Besetzung Polens konnte sich Jost mit seiner Ehefrau beruflich etablieren. Als kommissarischer Verwalter der Treuhandstelle übernahm er ein Feinkostgeschäft - später erwarb er es für knapp 70.000 Reichsmark. Einen Rückschlag brachte das Jahr 1942. Hermann Jost wurde in die Wehrmacht eingezogen. Während seiner Abwesenheit verstarb seine erstgeborene Tochter. Im April desselben Jahres wurde er nach Smolensk an die Ostfront versetzt. Nach kurzer »Kriegsuntauglichkeit« wurde er 1943 nach Danzig bestellt. Die Rote Armee drängte in den kommenden zwei Jahren schließlich die deutschen Truppen zurück. Dies hatte zur Folge, dass die Familie ihre Heimat in Hohensalza im Januar 1945 verlassen musste. Josts Frau Hildegard begab sich alleine mit den nun drei Töchtern - die Jüngste war erst sieben Wochen alt - auf die Flucht. Sie traf ihren Mann erst an Weihnachten 1945 in Stuttgart wieder.
In der neuen Heimat wagte das Paar den Neuanfang. Ein eigenes Lebensmittelgeschäft wurde in Gelsenkirchen eröffnet. Dieses schlossen Josts aufgrund der Aussicht auf Anstellung bei »Kaiser’s« am Bodensee. Hermann Jost feiert seinen Geburtstag mit drei Töchtern, fünf Enkeln und sechs Urenkeln. Auf die Frage, wie er sich so fit gehalten habe, antwortet er: »Das fragen mich alle. Ich habe kein Rezept, aber mache jeden Tag Gymnastik und ernähre mich wenig fettreich«.

Quelle: https://docplayer.org/158750985-Wochenblatt-online-unter-hegauer-unabhaengige-zeitung-fuer-die-region-hegau.html

Todesanzeige

 

 

Weitere Berichte folgen...da kommt noch was...

Ralf Jost
Presse-Mainz.de